Gulnara Davletshina - Gesangstechnik

         Belcanto (ital. – schöner Gesang), Gesangsstil und Technik des 17. Bis frühen 19. Jahrhunderts. 

Haltung und Atem

Für das Singen ist eine bestimmte körperliche Haltung nicht nur hilfreich, sondern notwendig. Es ist eine selbstbewusste Haltung: Brustkorb nach vorn, Schultern zurück, Oberbrust-Ebene aufgerichtet und geweitet. Wenn wir so stehen, werden alle Muskeln aktiviert. Diese Verbindung heißt "Stütze". Jedes Einatmen ist eine Chance, Energie zu sammeln. Es sollte mit offener Kehle geschehen. Dabei drückt das Gesicht freudige Überraschung aus. Wichtig ist unhörbares Einatmen durch die Nase. Gleichzeitig muss der Rachenraum geöffnet werden, der weiche Gaumen wird gehoben. Sofort hat man das Gefühl von Raum in der Kehle. Mit Zwerchfell-Bauch-Atmung gelingt es, die größtmögliche Atemenergie an die Stimmlippen heranzuführen.

Bei der Einatmung senkt sich der Zwerchfellkuppel und vergrößert den Brustraum auf Kosten des Bauchraumes. Unsere Töne können wir nur bei der Ausatmung produzieren. Die zuerst passive Bauchmuskulatur wird dabei aktiv, sie zieht sich zusammen und gibt über den Bauchinhalt ihre Kraft auf das Zwerchfell weiter, so dass sich dieses im Brustkorb nach oben bewegt und den ausströmenden Atem in Gang setzt.

Beim Singen muss der Atem nicht nur energiereich sein, aber auch an die gewollte Dynamik angepasst werden. Das Zwerchfell wirkt durch Impulse regulatorisch und ausgleicht den unter den Stimmlippen anströmende Atemdruck. Der Ausgleich zwischen dem Atemdruck und Stimmlippenspannung führt klangmäßig zu einem gestützten Ton.

Tonansatz

Beim Sprechen bilden wir die Vokale normalerweise im Bereich des Mundes, es entsteht flacher Klang. Für singen sollte man lernen die Vokale innerlich formen, am Sitz der Stimmfalten, wo der Atem zum Ton wird. Beim Ansatz des richtigen Tons entsteht ein leichter Schlag, der das Zusammentreffen von Atem und Stimmlippen begleitet. Der sogenannte weiche Angriff ermöglicht reine Intonation, sowie ruhigen, fließenden und ohne Stoß Anfang des Tons. Die Leistung des richtigen Tonansatzes ist der erste und unbedingte Schritt für jeden beginnenden Sänger.

Registerwechsel oder Passagio

Menschliche Stimme besteht aus 2 (manchmal 3) Register: Kopfstimmregister und Bruststimmregister. Beim Übergang vom Brustregister in die Kopfregister gibt es einen Bruch. Die Kunst besteht darin, diesen Bruch so wenig wie möglich hörbar zu machen.

Bei den Stimmübungen bewegen wir uns aufwärts und abwärts innerhalb unseres Stimmumfanges.

Es gibt zwei Bereiche, in denen etwas Besonderes mit dem Stimmapparat passiert. Für Frauen befindet sich dieser Bereich zwischen "c" und "f", für Männer - eine Oktave tiefer. Kehlkopfmuskeln verändern hier ein wenig ihre Stellung, um einen zusätzlichen Bereich für den/die Sänger/in zu ermöglichen. Jeder empfindet diese Spannung anders, mehr oder weniger intensiv.

Alle müssen lernen mit dem Registerwechsel fertig zu werden und von der Vollstimmfunktion (bei der Frauenstimme heißt es Mittelstimmfunktion) in die Randstimmfunktion zu wechseln.

Eine Schwingungsänderung der Stimmfalten in die Randstimmfunktion bewirkt den Registerwechsel, der als eine Klangveränderung ab einer bestimmten Tonhöhe beobachtet werden kann.

Man sollte die Bruststimme und die Randschwingungen so ausbilden, dass man bruchlos in die Höhe gehen kann und immer mehr Kopfanteile dazu mischen.